Gemeinde Thngersheim

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Die Brunnen

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Quell des Lebens

"Es wird eine Zeit kommen, und sie liegt nahe vor uns, da werden die Menschen nicht mehr wissen, warum unsere Väter Laufbrunnen auf die Märkte und Gassen setzten. In der Zeit der Badeeinrichtungen mit warmen und kaltem Wasser wird man bald nicht mehr verstehen, warum man früher mit dem Brunnen einen wahren Kultus betrieb.

Aber schlagen wir die alten Chroniken auf, die erzählen von dem tapferen Widerstand großer und kleiner Städte wider raubgieriger Horden und gebietshungrige Landschaden. Sie litten Hunger, aber sie hielten aus, so lange der Brunnen lief, solange sie der Durst nicht zum Wahnsinn trieb: das springende Wasser war der Quell des Lebens in der Stadt so gut wie in der Natur draußen".

Dorfbrunnen
Dorfbrunnen
Osterbrunnen
Osterbrunnen

Haldy leitet mit diesen Worten seinen 1919 veröffentlichten Aufsatz über unterfränkische Brunnen ein. Er sagte schon damals eine Entwicklung voraus, die heute eingetreten ist. "Die Zeit ist gekommen", in der die sagenumwobenen dörflichen Brunnen als Quellen des lebensnotwendigen Wassers nur noch in der Erinnerung einzelner älterer Ortsbewohner geblieben sind.

Durch den Bau der zentralen Wasserversorgungsanlage Anfang des 20. Jahrhunderts, mit einem außerhalb des Ortes gelegenen Hochbehälter mit Brunnenanlage verschwanden auch in Thüngersheim wie vielerorts nach und nach die öffentlichen Brunnen. An die einstmals zahlreich vorhandenen gemeindlichen Wasserversorgungsanlagen erinnert nur noch ein Brunnen in der Unteren Hauptstraße, der seiner früheren Funktion enthoben, heute nur noch als Zierbrunnen besteht.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es neun öffentliche Brunnen in Thüngersheim: einen "an der oberen Gasse beim Zehenttor", einen im "Brunnengässchen", einen weiteren in der Dürrengasse, zwei in der Schulzengasse, einen in der "Arnolds- oder Urlaubsgasse", einen in der Kirchgasse und schließlich zwei weitere in der "Unteren Gasse"

Im Volksmund hatten die einzelnen Brunnen eigene Namen und wurden so, laut Kramer, in den Kreis jener Dinge mit einbezogen, die der Mensch sich vertraut macht, indem er sie tauft; so hieß z.B. der Brunnen im ehemaligen Brunnengässchen "Gräulichsbrunnen", der in der Oberen Hauptstraße, da er direkt neben einer Schmiede stand, "Schmiedsbrunnen", einer der beiden Brunnen in der Unteren Hauptstraße war der "Muttergottesbrunnen" und den anderen nannte man "Ketten- oder auch Metzgersbrunnen", wobei die Bezeichnungen sicherlich innerhalb des Dorfes variiert haben können.

Entnommen aus Rauche, Britta: Gemeindliche Architektur in Thüngersheim, Magisterarbeit, Inst. f. dt. Phil./Abt. Volkskunde, Würzburg 1992

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